John Maynard Keynes und seine Theorie
Person:

John Maynard Keynes wurde am 05.06.1883 in Cambridge geboren. Er war britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker.
Er besuchte ab 1897 das Elton College und studierte am King’s College in Cambridge Mathematik, Philosophie und Geschichte. Er zählt zu den einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Keynes führte während der Weltwirtschaftskrise der 1930er eine Revolution des ökonomischen Denkens an.
Er starb am 21.04.1946 in Tilton in England.
Hintergrund:
Die Entwicklung der Theorie von Keynes liegt in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Nachdem sich am „Black Thursday“, also am Donnerstag, dem 24.10.1929, in New York ein historischer Börsencrash ereignet hatte, folgte daraus in den USA die „Great Depression“ und eine weltweite Wirtschaftskrise. Diese Wirtschaftskrise sollte vor allem das kommende Jahrzehnt beherrschen.
Es folgten starke Rückgänge der Industrieproduktionen und der internationalen Finanzströme. Die Unternehmen kürzten aufgrund dessen ihre Löhne drastisch und strichen reihenweise Arbeitsplätze.
Auf diesen Entwicklungen fußt Keynes Theorie, die die Grundlage in der Konjunktursteuerung in den kommenden Jahrzehnten bildete.
Das Versagen der „Klassischen Wirtschaftstheorie“:
Laut klassischer Wirtschaftstheorie wäre der genannte Hintergrund eigentlich bloß ein Fall der Selbstheilung des Marktes gewesen. Durch das Lohnabsinken und den Arbeitsplatzwegfall, hätten Unternehmen in der Theorie für weniger Geld und Auslagen produzieren können und hätten daher ihre Produktion wieder ankurbeln müssen. Durch wieder steigende Einnahmen hätten wieder Arbeitsplätze geschaffen werden können und der Markt hätte sich de facto selbst geheilt.
Doch es kam anders. Die Krise verstärkte sich weiter. Warum jedoch?
Keynes selbst nimmt an, dass generell eine zu niedrige Gesamtnachfrage vorlag. Die Gesamtnachfrage setzt sich zusammen aus Nachfrage von Privathaushalten und -konsumenten, Unternehmen, dem Staat als Investor und dem Ausland.
Die Privathaushalte waren durch Lohnausbleiben jedoch selbst finanziell getroffen, auch die Unternehmen konnten keine Investitionen tätigen. Auch die ausländischen Staaten waren von der Wirtschaftskrise betroffen, wodurch auch von dort keine Geldflüsse erfolgte. Der Staat hielt sich mit Investitionen zurück.
Die Gesamtnachfrage blieb also gering. Die Unternehmen würden durch die niedrige Gesamtnachfrage weiter geringere Absatzchancen in ihren Waren sehen und weiter Arbeitsplätze kürzen, wodurch sich die Krise verschlimmert.

Keynes‘ Lösungsansatz:
Laut Keynes liegt im staatlichen Investitionsunterlassen die „Wurzel des Übels“.
Der Staat hat laut seine Theorie die Aufgabe, die Gesamtnachfrage anzuregen, um insgesamt wieder Vollbeschäftigung zu erreichen. Man spricht dabei von der „nachfrageorientierten Globalsteuerung.“
Da sich eben Privathaushalte als auch Unternehmen nicht weiter verschulden können, muss der Staat diese Rolle übernehmen. Er muss Investitionen tätigen, um die Konjunktur anzukurbeln, auch wenn dadurch Haushaltsdefizite nicht vermieden werden können. Durch diese Investitionen sehen die Unternehmen wieder erhöhte Absatzchancen in ihren Produkten und kurbeln ihre Produktion an, durch erhöhte Einnahmen, können wieder Arbeitsplätze geschaffen werden. Man spricht hierbei vom „deficit spending“.
Beim wirtschaftlichen Aufschwung soll der Staat allerdings im Gegenzug die Gesamtnachfrage bremsen und entstandene Defizite durch beispielsweise Steuererhöhungen ausgleichen.
Bei einer solchen Konjunktursteuerung spricht man von antizyklischer Wirtschaftspolitik.
Idealausgang:
Im Idealausgang geben die staatlichen Investitionen den Aufschwung, um aus der Krise herauszukommen. Durch neue Arbeitsplätze, höhere Löhne und höhere Produktion, steigen auch wieder die Steuereinnahmen des Staates. Dadurch kann ein mögliches Haushaltsdefizit wieder geschlossen werden.
Durch zusätzliche staatliche Investitionen kann zusätzlich die Gesamtnachfrage steigen. Sogenannte “Multiplikatoren“ beschreiben dabei, wie stark sich das Gesamteinkommen, die Produktion oder die Gesamtnachfrage ändert, wenn der Staat seine Ausgaben und Investitionen ändert oder die Steuern anpasst.
Milton Friedman und der Monetarismus
Person:

Milton Friedman wurde am 31.07.1912 in Brooklyn geboren und war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler.
1928 schloss Friedman die Highschool ab und studierte Mathematik und Ökonomie in New Jersey an der Rutgers University. Er schloss sein Studium 1932 mit dem Bachelor of Arts ab.
1976 erhielt Friedman den Nobel-Preis für Wirtschaftswissenschaften.
Friedman starb am 16.11.2006 in San Francisco in den USA.
Hintergrund in Deutschland:
In Deutschland und anderen Ländern herrschte zu Beginn der 1980er Jahre eine hohe Arbeitslosigkeit. Konjunkturpolitische Programme mit staatlichem Eingreifen verliefen in Deutschland ohne Erfolg und die hohe Arbeitslosenquote blieb bestehen.
Nach dem Regierungswechsel im Jahr 1982/1983 weg von der sozial-liberalen Koalition hin zum Kabinett Kohl I folgte in den folgenden Jahren ein Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland.
Der Fokus wurde fortan weniger auf die Globalsteuerung gelegt, sondern vermehrt darauf, bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu schaffen und den Markt sich selbst heilen zu lassen, nach Friedmans Konzept.
Friedman selbst entwickelte seine Theorie des Monetarismus in den 1960ern und 1970ern.
Angebotstheorie:
Im Gegensatz zu Keynes nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik, zielt die Theorie von Friedman auf angebotsorientierte Politik ab. Das „Say’sche Theorem“ ist dabei eine der Grundlagen des Monetarismus.
Es besagt, dass zusätzliche Angebote in einer Wirtschaftseinheit sich selbst auch immer wieder Nachfrage schaffen. Durch erhöhte Nachfrage sind auch die Absatzchancen für Unternehmen besser und die Unternehmen schaffen in Folge auch wieder neue Arbeitsplätze. Der Markt heilt sich also selbst und das Angebot regelt das Wirtschaftswachstum und den Beschäftigungsgrad.

Die Rolle des Staates in der Angebotstheorie:
Auch bei der Rolle des Staates bildet der Monetarismus einen Gegensatz zu Keynes Wirtschaftstheorie.
Im Monetarismus werden staatliche Eingriffe in die Konjunktur als Problem angesehen. Diese würden mit plötzlichen Bedingungswechseln, an die sich die Wirtschaft nicht anpassen kann, erst zu Konjunkturschwankungen führen.
Der Staat soll lediglich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern und damit Störungen auf Angebotsseite vermeiden. So sollen Investitionen erleichtert werden, Unternehmen Existenzgründung erleichtert werden, Forschung-, Entwicklung-, Infrastruktur für Arbeitnehmer verbessert werden und generell Freiheiten gewährt werden.
Auch Maßnahmen, die die Investitionsfähigkeit der Privatwirtschaft erhöhen, sind vorgesehen, wie z. B. Investitionsanregungen.
Zusätzlich soll der Staat sein eigenes Haushaltsdefizit, sofern eines besteht, schließen. Er soll beispielsweise Subventionen kürzen, womit er auch vermindert in die Konjunktur eingreift oder Steuererhöhungen vollziehen.
Durch die staatlichen Erleichterungen werden zwar zunächst nur die Personen und Firmen der Angebotsseite begünstigt, dieser Wohlstand und das Wachstum sickern aber laut „Trickle-down-Effekt“ zu anderen Gesellschaftsschichten durch. So soll laut Monetarismus auch kaum noch Sozialpolitik betrieben werden, da der Wohlstand in allen Schichten ankommen würde.
Weiterentwickelte Quantitätstheorie:
Die weiterentwickelte Quantitätstheorie bildet neben der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik ein zweites Fundament des Monetarismus.
Sie stellt einen Zusammenhang zwischen der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge und dem Preisniveau her und geht davon aus, dass sich eine Änderung der verfügbaren Geldmenge auch immer im Preisniveau widerspiegelt. Sie besagt also, dass wenn mehr Geld im Umlauf ist, das Preisniveau ansteigt und wenn weniger Geld im Umlauf ist, das Preisniveau absinkt.
Langfristiges Ziel im Monetarismus ist also nicht wie in Keynes Theorie in kurzfristiger Krisen-Bekämpfung, sondern in langfristiger Preisstabilität auf Basis eines sich selbst heilenden Marktes.
„Money matters“:
Zentrales und wichtigstes Steuerelement im Monetarismus ist die Geldmenge.
Wie erwähnt, zielt der Monetarismus auf eine Preisstabilität ab. Geld- und Realwirtschaft oder auch Geld- und Gütermenge sollen also in einem festen Verhältnis zueinander stehen und nicht unterschiedlich schnell oder stark variieren, da dies sonst zu verändertem Preisniveau führen würde.
Da in Keynes Theorie dieses Verhältnis aktiv durch den Staat beeinflusst wird, werden solche konjunkturpolitischen Maßnahmen abgelehnt, da diese erst zu konjunkturellen Schwankungen führen würden. Die Wirtschaftspolitik soll sich allein auf die Geldpolitik fokussieren. Die Steuerung der Geldmenge soll dabei von den Zentralbanken übernommen werden, die dadurch das Preisniveau in festgelegtem Rahmen stabil halten. Der Monetarismus besagt, dass sich die Wirtschaft ohne die konjunkturpolitischen Maßnahmen selbst heilen kann und dass der private Wirtschaftssektor an sich stabil sei.
Quellen
Keynes Theorie: „Sozialkunde – Politik in der Sekundarstufe II“ – Schöningh Verlag S.238 – 241 (30.06.2021 – 7.55 Uhr) https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19777/keynesianismus/ (06.07.2022 – 17.35 Uhr)
Monetarismus: https://youtu.be/9knhCsWTB50 (30.06.2022 – 10.15 Uhr)
Quantitätstheorie: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20428/quantitaetstheorie/ (30.06.2022 – 11.05 Uhr)
Titelbild: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes ( 30.06.2022 – 8:20 Uhr ) https://de.wikipedia.org/wiki/Milton_Friedman ( 30.06.2022 – 8:20 Uhr )
Videoempfehlungen: https://youtu.be/eh0Kn2hzalE (Keynes Theorie), https://youtu.be/9knhCsWTB50 (Monetarismus), https://youtu.be/B4XzALJqAoA (Monetarismus und Keynes Theorie)

